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Rede des stellvertretenden Schulleiters, Rudolf Krönung, anlässlich des Schuljubiläums am 18. Juni 1998
Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Festgäste!
Die Entstehung. und Entwicklung der heutigen Gutenbergschule, der Schule für Lembehinderte der Stadt Sankt Augustin, ist ein Beispiel
dafür, wie im wahrsten Sinne der Worte um Raum für die Bedürfnisse der Kinder gekämpft werden musste. Der Bedarf zur Einrichtung einer Schule für Lembehinderte ergab sich im Jahre 1964 - damals wurde diese Schule
mutig gegründet, und obwohl hierfür kein Schulgebäude existierte und auch die Finanzierung unklar war, wurden 37 Kinder, aufgeteilt in 2 Klassen, behelfsmäßig in je einem Raum der katholischen und evangelischen
Volksschule untergebracht. Die Zahl der Schüler wuchs anfangs schnell. Schon nach einem Jahr mussten die zwei im Gaststatus beanspruchten Klassenräume von 5 Klassen im Schichtunterricht genutzt werden.
Dass
dies nicht lange so weitergehen konnte war bald klar. Der Bau einer neuen Schule wurde ernsthaft erwogen, scheiterte zunächst noch an der Frage des notwendigen Grundstückerwerbs In der Not wurden 2 Baracken
aufgestellt. Toiletten konnten nur, in der 300 m entfernten Grundschule genutzt werden. Als im 3. Jahr seit Bestehen (1966) die Schülerzahl auf 151 angewachsen war, konnte die frei gewordene alte Volksschule in
Mülldorf mit 7 Klassenräumen bezogen werden. Hier erwies sich allerdings die Gasheizung als so schädlich, dass alle mitgebrachten Blumen innerhalb von 14 Tagen abgestorben waren.
Nachdem ursprünglich der Bau
der neuen Schule am Stadtrand vorgesehen war, wurde gegen den Widerstand einiger Anlieger im November 1967 vom Stadtrat beschlossen, die Schule an ihrem heutigen Standort zu errichten. Aber es verging
bis zum Baubeginn im Oktober 1971 noch rund 4 Jahre. In der Zwischenzeit mussten die Schüler noch einmal in ein Provisorium in Gasträume zweier Schulen und Baracken umziehen, wobei sich die Schülerzahl mittlerweile auf über 200 erhöht hatte.
Bereits in der Anfangszeit wurde in intensiver Zusammenarbeit mit der Mendener Schule besonders erfolgreichen Schülern zu einem Hauptschulabschluss verholfen. Diese Schüler erhielten zunächst
eineinhalb Jahre täglich eine Stunde Förderunterricht nach Schulschluss und nahmen dann ein halbes Jahr am Unterricht der Mendener Hauptschule teil. Schülerinnen der Sonderschule kochten für diese Schüler die
Mittagsmahlzeit, denn im Anschluss erfolgte weiterhin, sogar sonntags - in der Mutterschule der Förderunterricht. Hieraus entwickelte sich später eine Maßnahme, bei der besonders erfolgreiche Schüler aus den
Sonderschulen des Rhein-Sieg-Kreises nach ihrem Sonderschulabschluss in einer Klasse der Gutenbergschule zusammengefasst wurden, um sich dort nach einem weiteren Jahr in einer Prüfung mit Beteiligung der
Schulaufsicht für den Hauptschulabschluss zu qualifizieren. Heute ist die Möglichkeit der Vergabe des Hauptschulabschlusses der Klasse 9 der Obhut der Schulen für Lernbehinderte übergeben.
Schwerpunkte
ergaben sich natürlich auch durch die Aktivitäten der einzelnen Lehrerinnen und Lehrer. Lange Jahre hatte die Musik und das Musizieren der Schüler einen besonderen Stellenwert und zeitweilig verfügte die Schule
sogar über eine Blechblaskapelle.
:Ich erinnere mich an viele Auftritte und Feiergestaltungen, bei denen Schüler mit Flöten, Ziehharmonika und Perkussion unter der Leitung des damaligen Rektors aufwarteten.
Auch gab es eine Zeit, in der viel Theater gespielt wurde.
Über einen Zeitraum von zehn Jahren veranstalteten wir im Herbst einen Skibasar, durch dessen Erlös die einmal pro Jahr in Österreich durchgefährten
Skikurse finanziert wurden. Diese Aktivitäten waren zu ihrer Zeit die Markenzeichen unserer Schule.
Ein besonderer Schwerpunkt ergab sich an der Gutenbergschule auch durch fachkundigen Hauswirtschaftsunterricht, der vor allem vielen Schülerinnen gute Voraussetzungen für ihre berufliche Eingliederung
und Lebensbewältigung mit auf den Weg gab. In den späten 80er Jahren begünstigten die zurückgegangenen Schülerzahlen, Schulveranstaltungen mit allen Schülern und Eltern. Neben den üblichen Feiern stellte das
immer wieder in unserer Aula veranstaltete gemeinsame Frühstück mit allen Schülern, Eltern, Lehrern und sonst am Schulleben beteiligten Personen ein Ereignis dar, welches die Zusammenarbeit und
Identilrikationsbereitschaft mit unserer Schule in besonderer Weise förderte. :Im Jahre 1990 wurde die Siegburger Schule für Lernbehinderte geschlossen. Die Folge war die Zusammenlegung mit unserer Schule - zwei
Kollegien und zwei Schülerpopulationen wurden vereinigt, was gewiss nicht eine einfache Aufgabe war. Auch die Lohmarer Schüler fanden bei uns eine neue Heimat.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch, dass
unsere Schule Gastgeber für viele Einrichtungen und Personen war und ist: in der Vergangenheit waren es die Malteser, das Gymnasium, die Neuapostolische Kirche, der Katastrophenschutz u.a. Über Jahre fand bei
uns eine überregionale Lehrerfortbildung "Moderne Technologien" der Bezirksregierung statt. Zur Zeit nutzen noch die Musikschule, die Volkshochschule, die Grundschule, die Feuerwehr und eine Künstlerin die
Räume in unserem Gebäude.
Angesichts unserer heutigen Arbeitsbedingungen möchten wir die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass es uns, eingebunden in die Akzeptanz unseres Umfeldes auch weiterhin gelingen möge,
unserer Schülerschaft in einer lebendigen Schule eine Heimat zu bieten, die sie für die Herausforderungen ihrer Lebenswirklichkeit psychisch, körperlich und geistig stabilisiert.
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